Wörterwelten: Fenna Wächter

Vorstadtkrokodile, Alltagsheldinnen, Söhnchen, Auftragskiller und Goldsucher. Solche Gestalten trifft man auf einem Spaziergang durch Fenna Wächters Leben als Leserin.Collage

Max von der Grün: Vorstadtkrokodile

Als alle Abenteuer mit den fünf Freunden erlebt waren, drückte mir irgend ein erwachsener Verwandter dieses Buch in die Hand. So konnte ich mich nun mit zehn Freunden ins Abenteuer stürzen, das Gelände der verlassenen Ziegelei verbotenerweise erkunden, eine Einbrecherbande überführen und ganz nebenbei selbst Krokodiler werden.
cbj, 160 Seiten, 6,99 Euro, als E-Book erhältlich
Hörbuch: cbj audio

Jennifer Donnelly: Das Licht des Nordens

Die sechzehnjährige Mathilda Gokey, genannt Mattie, lebt auf einer kleinen Farm in New York State. Ihre Englischlehrerin prophezeit ihr eine große Zukunft: Mattie soll auf’s College gehen, was im Jahr 1906 nicht nur auf dem Land noch für viele Frauen eine Seltenheit ist. Dann kommt alles ganz anders: die Mutter stirbt und ringt ihrer ältesten Tochter das Versprechen ab, sich um ihre drei Schwestern und den Vater zu kümmern. Mattie verdrängt ihren Wunsch zu studieren und nimmt eine Stelle im noblen Glenmore Hotel an. Als ihr eines Abends eine junge Frau, die Gast des Hotels ist, tränenüberströmt einen Packen Briefe in die Hand drückt und am nächsten Tag tot aufgefunden wird, ändert sich alles. Berührende Coming-of-Age Geschichte.
Übersetzt von Angelika Felenda. Piper, 416 Seiten, 9,95 Euro, als E-Book erhältlich

Miguel Delibes: Mein vergötterter Sohn Sisí

Spanien zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts: Cecilio Rubes ist erfolgreicher Geschäftsmann und auch in anderer Hinsich ein Glückspilz. Sein Sanitärbedarfs-Geschäft brummt, seine Frau hat ihre untadeligen Hüften bewahrt, wegen der er sie überhaupt geheiratet hat und Cecilio Rubes bewundert sich selbst. Dennoch überkommt ihn aus heiterem Himmel eine Sinnkrise, manche mögen es Midlife-Crisis nennen, und plötzlich gibt es nur noch einen Ausweg um das Leben wieder genießen zu können: ein Sohn muss her. Delibes erählt die Geschichte von Cecilio Rubes und seinem Sohn, Cecilio junior, genannt Sisí. Elegant wechselt er dabei zwischen schreiend komischen Szenen und ganz leisen Augenblicken hin und her, die sich einprägen und einen viele Jahre lang begleiten.
Ammann, 390 Seiten, vergriffen

James Sallis: Der Killer stirbt
Christian ist Auftragskiller, schwer krank und auf starke Medikamente angewiesen. Dies, so schwört er sich, ist sein letzter Auftrag. Sayles, ein müder Ermittler, dessen Frau unter großen Qualen im Sterben liegt, jagt Christian ohne es zu wissen. Und dann ist da Jimmie, den seine Eltern eines Nachts verlassen haben und der versucht, über die Runden zu kommen ohne dass das Jugendamt etwas merkt. Ein Krimi ganz ohne große Schockmomente, der einen trotzdem nicht mehr loslässt und der dem Leser die großen Fragen des Lebens an den Kopf wirft ohne auch nur so zu tun, als gäbe es eine Antwort. Seit ich dieses Buch vor zwei Jahren entdeckt habe, suche ich andere Krimis die es mit ihm aufnehmen können – bislang erfolglos.
Übersetzt von Jürgen Bürger, Kathrin Bielfeldt. Liebeskind, 256 Seiten, 18,90 Euro

John Sayles: A Moment in the Sun
John Sayles kennt man eigentlich als Regisseur. Er schreibt aber auch Romane und „A Moment in the Sun“ ist ein sehr guter. Auf mehr als 900 Seiten breitet Sayles hier ein Panorama der USA zu Zeiten des Goldrausches aus. Und wer das Buch liest und sich einmal drauf eingelassen hat wird selbst Teil dieses Rausches und trudelt von der Goldsuche am Yukon über Polit-Rallies weißer Rassisten in North Carolina mitten in den spanisch-amerikanischen rieg und den darauffolgenden Krieg auf den Philippinen. Man braucht einen langen Atem für dieses Buch, aber wird belohnt mit dutzenden Anekdoten und historischen Anspielungen und nicht zuletzt einem Gastauftritt des großen Mark Twain. Das Buch hat mich völlig benommen zurückgelassen – fast eine ganze Woche lang war ich unfähig, ein neues Buch aufzuschlagen.
Englische Originalausgabe. McSweeney’s, 968 Seiten, ca. 15 Euro, als E-Book erhältlich

Fenna Wächter, 1987 in Bonn geboren, verbringt den größtmöglichen Teil ihrer Freizeit teetrinkend und lesend. Oder teetrinkend und schreibend: Gedanken rund um das Gelesene hält sie nämlich auf ihrem Blog fest.

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